Geballte Stimmkraft im „KunstWerk“

 

Zwei musikalische Welten trafen aufeinander

Chöre „FloZe Harmony“ und „Voices and more“ begeistern vor vollem Haus

 


Rund 250 Besucher füllten den großen Saal im Schüttorfer „Kunst- Werk“ am Sonntag. Ein großes Publikum für zwei Chöre, die unterschiedlicher gar nicht sein können. Zum „2 IN 1“-Konzert eingeladen hatten die „Vocalgroup“ „FloZe Harmony“ und der Chor „Voices and more“. Da trafen musikalische Welten aufeinander: Elf Frauen, die – teilweise mit Einsatz eines Beatboxers – Lieder im „Close Harmony- Stil“ interpretierten und die geballte Stimmkraft eines gemischten Chores plus Piano und Percussion. Was beide Gruppen spürbar verband, war die Freude am Singen.

 

„FloZe Harmony“ ist ein noch junges Ensemble aus der Grafschaft, das sich 2014 gegründet hat. „Uns verbindet die Lust am gemeinsamen Singen“, erklärte FloZe- Sängerin Katrin Bomball im GN-Gespräch. Chorleiter ist der Wahlberliner, Stimmtherapeut und zertifizierte „Estill Voice-Trainer“ Florian Unruh, der einmal im Monat für die Proben anreist. „Estill Voice“ ist ein aufwändiges Stimmtraining, das den gesamten Stimmtrakt bis hin zur Muskulatur von Hals, Nacken und Oberkörper einbezieht. Dass er nicht nur dirigiert, sondern auch Stimme hat, bewies Unruh bei seinem mitreißenden Soloauftritt nach der Pause.

 

Der Leiter von „Voices and more“ ist der Gymnasiallehrer Hartmut Meyer, der den Chor seit 2012 erfolgreich als offenes Angebot im „Kunst- Werk“ installiert hat. Zwischen 40 und 50 Frauen und Männer proben dort einmal pro Woche. Weiterhin im Bunde war Lucas Günzel, der als Moderator, Tontechniker und „Mann für alles“ auch als Beatboxer fungierte, wobei er den Schlagzeugrhythmus durchs Mikrofon verstärkt mit dem Mund imitierte. Seit dem vergangenen Frühjahr leitet der Musikpädagoge aus Osnabrück den Gospelchor Ohne.

 

Eigentlich ist „Close Harmony“ Männersache, da der Singstil hauptsächlich von Männerensembles gepflegt wird. Die Gleichartigkeit der Stimmen wird betont und im Gegensatz zum gemischten Chorsatz der Abstand zwischen oberster und tiefster Stimme möglichst eng gehalten. Die Berliner „Comedian Harmonists“ haben die vokale Spielart seinerzeit salonfähig gemacht. Spannend war es, die musikalische Stilrichtung nach weiblicher Fasson in einer sinnlich-verspielten Darbietung zu hören. Im Laufe ihres Programms gewannen die Sängerinnen an Sicherheit und präsentierten ihr Repertoire mit vielen Stücken aus dem Singer-Songwriter- Genre, bei dem die Interpretationen des Ed Sheeran- Stückes „Photograph“ und das Lied „Chandelier“ der australischen Sängerin Sia hervorstachen. Äußerst gewöhnungsbedürftig für „Police“-Fans war die „Roxanne“- Version.

 

Begeisterten Applaus erntete Florian Unruh nach der Pause mit zwei Eigenkompositionen und dem Soul-Klassiker „The Dock of the Bay“ von Otis Redding. Danach hieß es Bühne frei für den Chor „Voices and more“, der den Raum im Nu mit der südafrikanische Hymne „Nkosi Sikelel‘ iAfrika“ (Gott segne Afrika) eroberte. Nach den Stücken „Lay me down“ und „Monday Monday“ brillierte der Chor mit Freddie Mercurys „Bohemian Rhapsody“. Gelungen auch die „Africa“- Überleitung mit „FloZe Harmony“ und zum Abschluss das Finale mit beiden Chören und der Wiederholung des Liedes. Das Publikum dankte mit begeisterten Pfiffen und tosendem Applaus.

 

Bericht und Foto: Susanna Austrup

© Grafschafter Nachrichten

24. Januar 2017